Talcott Parsons Dissertation

Talcott Parsons Dissertation-23
Er habe sein Manuskript vor seiner Abreise Arnold Bergstraesser übergeben und nun seien die Kapitel über Sombart und Weber – das eigentliche Kernstück der Arbeit also – „auf noch nicht erklärte Weise in Verlust geraten und ich stehe nun vor der Tatsache, dass ich zwar die Schlusskapitel der Arbeit hier [in Cambridge] fertig gestellt habe, aber aus Zeitmangel nicht im Stande bin, die beiden ersten Kapitel neu zu schreiben.“ Uta Gerhardt macht deutlich, dass etwas ganz Anderes hinter dem „Verschwinden“ der ursprünglichen Fassung stand.In ihr hatte Parsons nämlich noch den Ansatz von Sombart in höchsten Tönen gelobt und die Webersche Kapitalismuskonzeption hingegen einer harschen Kritik unterzogen.Und so verdankt sich die Tatsache, dass es nun eine von ihr herausgegebene, eingeleitete und kommentierte Fassung der Heidelberger Dissertation des damals 25jährigen US-amerikanischen Doktoranden Talcott Parsons gibt, eben diesen jahrzehntelangen Bemühungen.

Dabei wird auch verständlich, warum er diese ursprüngliche Fassung als „verschollen“ in seiner Schublade verschwinden ließ.

Und man versteht, warum er in seinem Schreiben an die „hohe Philosophische Fakultät“ behauptete, dass ihm die beiden ersten Kapitel seiner Arbeit „abhanden“ gekommen seien.

Kapitel IV („Der Kapitalismus bei Max Weber“) unternimmt das Gleiche für Weber.

Kapitel V („Der Tatbestand des Kapitalismus“) enthält den Versuch eines Vergleichs beider Autoren und ihrer nicht deckungsgleichen Kapitalismus-Theorien.

Kapitel VI („Schlusskapitel“) fasst zusammen und markiert Übereinstimmungen und Unterschiede beider Theorien.

Konstatiert wird abschließend, dass beide Theoretiker „den großartigsten Versuch darstellen, die wirtschaftliche Entwicklung des Abendlandes als eine Einheit zu erfassen und in ein großes theoretisches Gebäude einzubauen.“ Alle diese Themen werden – nicht nur aus heutiger Sicht – in einer proseminaristischen Manier abgehandelt, noch dazu in einem überaus holprigen Deutsch.Jahrhunderts noch Parsons liest, lapidar geantwortet werden: „Kaum jemand“.Eine der deutschen Kolleginnen, die in vielfältiger Weise jahrzehntelang gegen dieses Vergessen ankämpfte, ist die Heidelberger Emerita Uta Gerhardt.“ Um festzustellen, dass das kaum jemand mehr machte.Bis zum Ende der 1960er Jahre war eben dieser Harvard-Soziologe Parsons einer der berühmtesten zeitgenössischen Sozialwissenschaftler, der als Übervater des sogenannten „Struktur-Funktionalismus“ weltweit gewürdigt wurde.Talcott Parsons muss für immer als ein „Klassiker“ der Soziologie des 20. Vergleichbar mit Spencer jedoch sank die Berühmtheit von Parsons noch zu seinen Lebzeiten derart rapide, dass sein Fachkollege Christopher C. Bryant in der Zeitschrift Sociological Review bereits 1983 die ebenfalls rein rhetorisch gemeinte Frage stellte: „Who Now Reads Parsons?“ Ungeachtet vielfältiger Versuche, das Erbe von Parsons unter dem Banner des „Neofunktionalismus“ zu bewahren und weiterzuführen, müsste auf die Frage, wer zu Beginn des 21.Sowohl im deutschsprachigen als auch, und ganz besonders, im englischsprachigen Raum.Der Inhalt des Textes von Parsons ist leicht rekapituliert: Kapitel I („Einleitung“) erläutert das Erkenntnisinteresse des Doktoranden, dem es um den „Geist“ des Kapitalismus bei Sombart und Weber ging.Das Schicksal wollte es, dass Parsons, nur wenige Tage nach dieser Heidelberger Feier, am 8. In jener Stadt also, in der Max Weber im Juni 1920 gestorben war.Nun also, neunzig Jahre später, kann man die Fassung des ursprünglichen Manuskripts, das angeblich „verschollen“ war und durch Victor Lidz, den Nachlassverwalter von Parsons, im Archiv der Harvard Universität aufgefunden wurde, lesen.

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